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EXPERTEN-INTERVIEW

Expertenmeinung von Prof. Dr. Martina Breidenbach zum Thema Intimgesundheit • Gynäkologin PAN Klinik Köln

Prof. Dr. Martina Breidenbach arbeitet seit 20 Jahren als Gynäkologin. Sie kennt die häufigsten intimen Probleme von Frauen sowohl aus dem Klinikalltag, als auch aus unzähligen persönlichen Gesprächen in ihrer eigenen Praxis. Für ellen® beantwortet sie die wichtigsten Fragen rund um das Thema „Vaginalflora”.

 

70 Prozent der Frauen in Deutschland leiden regelmäßig unter den Symptomen einer unausgeglichenen Vaginalflora. Was raten Sie den Betroffenen?

Wichtig ist die regelmäßige Überprüfung des pH-Wertes in der Scheide. Ist der pH-Wert zu hoch, steigt das Risiko einer Infektion deutlich an. Natürlicherweise in der Scheide vorkommende Milchsäurebakterien halten den pH Wert niedrig bei 3,8-4,4. Der Einsatz von Probiotika ist gut geeignet, um die Voraussetzungen für eine ausgeglichene Vaginalflora zu schaffen.

 

Wie unterscheiden sich Scheidenpilz und bakterielle Vaginose? Wie behandelt man sie?

Sowohl Bakterien als auch Pilze kommen natürlicherweise auf der Haut und auf der Scheidenschleimhaut vor. Ist die natürliche Vaginalflora gestört, können sich Pilze und Bakterien vermehren. Es kommt zu Symptomen wie Juckreiz, Brennen und Ausfluss. Bei der bakteriellen Vaginose kommt ein unangenehmer, fischartiger Geruch hinzu. Scheidenpilz wird meist durch den Hefepilz Candida albicans hervorgerufen, der oft durch falsche Toilettenhygiene oder Whirlpools übertragen wird. Bakterieninfektionen entstehen durch Gardnerellen (Darmbakterien), die in die Scheide gelangen und durch ungeschützten Geschlechtsverkehr.


Zur Behandlung einer bakteriellen Vaginose kommen Antibiotika zum Einsatz. Eine Scheidenpilzinfektion wird üblicherweise durch Medikamente in Form von Scheidencremes oder Scheidenzäpfchen behandelt. In den hartnäckigen Fällen kann auch eine orale Tablettenbehandlung eingesetzt werden.

 

Wie unterstützen probiotische Tampons die herkömmliche Behandlung der beiden Krankheitsbilder?

Beide Behandlungsformen stören leider auch die natürliche Scheidenflora. Aus diesem Grund ist es wichtig, nach der Behandlung eine ausgeglichene Vaginalflora wiederaufzubauen. Eine besondere Rolle spielen Probiotika, die eine natürliche Besiedlung durch Milchsäurebakterien fördern. Probiotische Tampons und Cremes eignen sich dafür sehr gut, da sie das Gleichgewicht der natürlichen Scheidenflora wiederherstellen und den natürlichen niedrigen pH-Wert der Scheide stabilisieren.

 

Welche Faktoren sind die Auslöser für ein Ungleichgewicht der Vaginalflora?

Hierfür gibt es ganz unterschiedliche Ursachen. Antibiotika und verschiedene Medikamente – so auch die Pille – können das Gleichgewicht der Vaginalflora stören. Nicht nur der Besuch von Schwimmbad und Sauna können die physiologische Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen, sondern auch ungeschützter Geschlechtsverkehr ebenso wie Stress und ein geschwächtes Immunsystem. Auch die Menstruation und zu viel oder eine falsche Intimhygiene beeinflussen die Vaginalflora.

Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren gehören ebenfalls zu den Ursachen einer Dysbalance. Durch das empfindliche Immunsystem während der Schwangerschaft leiden viele werdende Mütter unter Infektionen. In der Schwangerschaft ist die Hormonkonzentration darüber hinaus verändert, lässt den Zuckergehalt in den Zellen der Vaginalschleimhaut ansteigen und bietet so einen idealen Nährboden für Scheidenpilz-Erreger. Während der Menopause nimmt die Östrogenproduktion und damit die Konzentration von Milchsäurebakterien in der Scheide stark ab und es entstehen vermehrt Infektionen.

 

Gibt es Studien zur Wirksamkeit von probiotischen Tampons?

In vergleichenden Untersuchungen konnte gezeigt werden, das probiotische Tampons die natürliche Scheidenflora effektiv aufbauen können. In einer weiteren Studien wurden Frauen, die wegen einer bakteriellen Scheideninfektion oder einer Pilzinfektion behandelt wurden, untersucht.

Eine Gruppe der Patientinnen wurde anschließend mit probiotischen Tampons behandelt. Die andere Gruppe erhielt identisch aussehende Tampons ohne probiotische Wirkung. Interessanterweise zeigte die Studiengruppe nach Anwendung der probiotischen Tampons eine deutlich niedrigere Rate an wiederkehrenden Infektionen und weniger Beschwerden als die Frauen der Vergleichsgruppe.

 

Was halten Sie von Hausmitteln wie dem „Joghurt-Tampon“?

Milchsäurebakterien kommen natürlicherweise im Intimbereich vor und verhindern die Vermehrung von Hefepilzen und anderen Bakterien. Wenn man auf natürlichem Wege die Vaginalflora stabilisieren möchte, ist es jedoch wichtig, die richtigen Milchsäurebakterien einzusetzen. Es gibt verschiedene Arten von Laktobazillen. Die im Joghurt vorhandenen Bakterienarten (z.B. Lactobacillus delbrueckii und Streptococcus thermophilus) stimmen nicht mit denen des Scheidenmilieus überein und können deshalb dort nicht wirken. Joghurt gehört nicht in die Scheide – die in probiotischen Tampons enthaltenen, „richtigen“ Milchsäurebakterien dagegen schon.

 

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